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Zyklus Refugium

 

REFUGIUM I (Streunende Hunde im Erdbeerfeld)

Ein Versuch

Refugium I zeigt eine Szenerie des Verlorenen, eine Station im Nirgendwo. Gab es eine Katastrophe, oder ist es ein Ort hier und jetzt, eine Parallelwelt, auf die die Jugendlichen nun zurückgeworfen sind?

Auf einem Brachgelände zwischen rauer Natur und Überresten einer nachgelassenen Zivilisation treffen junge Menschen zusammen, ohne sich wirklich zu begegnen. Es sind Kinder, die auf sich allein gestellt sind, verlassen, verwahrlost. Ebenso die Landschaft: Ödland, vergessenes Land, das sich die Jugendlichen zu Eigen gemacht haben. Allmählich stellt sich heraus, dass ein verwahrlostes kleines Rudel von „Selbstversorgern“ sich hier eingerichtet hat, ohne Ziel, ohne Zukunft. Wie durch unsichtbare Wände scheinen sie ihr Territorium abgesteckt zu haben, ziehen ihre Kreise, meiden und begegnen sich.

Die Wege um dieses Terrain herum kommen von irgendwo her und führen nirgendwo hin. Ein Zeitabschnitt von ca. 60 Minuten wird ohne Schnitt und in Echtzeit zur Beobachtung freigegeben. Im langsamen Vergehen der Zeit wirken Menschen und Brachland am Ende verändert auf den Betrachter. Refugium wirkt wie eine Filmsequenz, ist eine irreale Bildsequenz aus Bewegungsabläufe; eine unwirkliche Zukunftsvision, die hoffentlich so nie stattfindet; eine Gegenwartsvision aus einer fernen Gegenwart.

Zuschauer: jeweils maximal 80 Personen

Künstlerische Leitung: Rolf Dennemann, Dramaturgie: Berthold Meyer, Choreographie: Sabina Stücker, Dokumentation: Petra Steierl, Ausstattung: Scarlett Schauerte, Produktionsleitung: Kerstin Ortmeier, Coaching: Lutz Pickard
Aministration: Turit Jannack

 

REFUGIUM II

Schweißausbruch
oder "Das Leben von Monika und ihrem Franz-Josef"

Uraufführung
von Rolf Dennemann,
nach Auszügen aus dem Buch
„Und wenn die Kerle lechzen“ von Michael Klaus

Cast:
Manuela Stüsser, Suzan Erentok, Nora Krehan, Julia Körnig
Director: Rolf Dennemann
Dramaturgy: Berthold Meyer
Assistance: Kerstin Ortmeier
Set and costumes: Scarlett Schauerte
Lightdesign: Reimar Toepell/Peter Fotheringham
Sound: Astrid Braune

Musik u.a. von: Frank Zappa, Jean Jeanrenaud, Homilius, Marianne Rosenberg, Bobbejan, Charles Ives, Samuel Barber

Franz-Josef und Monika sind Alkoholiker. Sie treffen sich mal bei ihm, wenn er eine Bleibe hat, mal in Kneipen oder auf der Straße. Sie ist obdachlos, geht hin und wieder in die Bahnhofsmission zu Eveline oder auf den Strich, „damit er was zu trinken hat“. Sie sind ein Paar. Manchmal schlägt er sie, wenn er besoffen ist. Dann schläft sie bei seinem Kumpel. Ihr Vater hat sie geschlagen, ihre Mutter hat gesoffen. Einmal hatte sie eine Fehlgeburt und warf sie weg – aufs Dach. Beide erzählen von ihrem Dasein, ihrer Familie, ihrem Glück und Unglück. Trotzdem bleibt alles „wie immer“. Aus diesem Labyrinth gibt es keinen Ausgang, der ins Licht führt. Und dennoch bleibt zwischen den Erniedrigungen und Entbehrungen, den Schlägen und Ausbruchversuchen, etwas sichtbar: Eine Liebe zwischen zwei Menschen. Unverständlich vielleicht und doch das einzige, das sie ans Leben kettet.

„Schweißausbruch“ beruht auf einem Interview, das der Gelsenkirchener Autor Michael Klaus mit einem authentischen „Paar“ geführt hat. Der Text ist in einigen Teilen original den Interviews entnommen, bildet Sprachduktus und Jargon der Personen ab, andere Passagen wiederum werden durch Rhythmisierung und Verfremdung zum Träger einer tieferliegenden Wirklichkeit.

Schweißausbruch erzählt die Geschichte von Franz-Josef und Monika durch vier Schauspielerinnen, die die verschiedenen Wahrnehmungs- und Realitätsebenen der Handelnden verkörpern. In der Aneignung des Textes durch die Schauspielerinnen entsteht eine Spannung zwischen gehörtem Text und gesehenem „Spiel“, aus deren Bruchstellen die Verzweiflungen und Hoffnungen eines ge- oder auch ver-lebten Lebens hervorscheinen. Dennoch ist Schweißausbruch kein dokumentarisches Sozialdrama, sondern folgt der Annahme, dass die Bühne die Realität nicht dokumentieren kann, sondern höchstens - das Leben.

 

REFUGIUM III

„Für immer im Erdbeerfeld -
strawberry fields forever“

Brach-Land-Performance

Ein Spiel um Liebe und Erinnerung an einem Ort des Gehens und Verweilens. Gelebtes Leben auf brachem Land. Eine Frau, zwei Männer. Drei alt gewordene Menschen finden zusammen auf wüstem Land. Sie, die Frau, richtet sich ein in Natur, Einsamkeit und ihren Erinnerungen. Die Gegenwart ist keine Aufgabe mehr. Vermeintlich Vertrautes verschwindet in der Wüstenei des Vergangenen, die Ödnis und Natur um sie herum sind ihr Halt durch Ritual und Wiederkehr. Aber sie ist nicht ganz allein. Ein Mann durchstreift das Gelände und verschwindet wie ein Schatten der Vergangenheit. Ein anderer Mann taucht auf, dringt ein in ihr Refugium. Sie erkennen sich als eine Liebe aus Jugendzeiten. Eine kurze Welle der Erinnerung verebbt im Schweigen der Gegenwart. Der Traum, der am Ende wahr wird, ist immer ein anderer.

artscenico erzählt diese Geschichte von Liebe und Leben im Alter mit einem Happy End im Herbst. Die Wege um das Terrain herum kommen von irgendwo her und führen nirgendwo hin. Ein Leben. 50 Minuten. 50 Minuten des Lebens werden ohne Schnitt dem Zuschauenden zur Beobachtung freigegeben.

Auch Refugium III wirkt wie eine Filmsequenz, ist ein surreales Bild mit Bewegungsabläufen, die wir nur zu gut kennen, eine unwirkliche Vision, humorvoll und voller Liebe und Verwunderung.

Dauer: ca. 50 Minuten
Besetzung: H. Lore Duwe-Scherwat, Wolf Amadeus Gericke, Wilhelm von Hoegen
und die Mundharmonikafreunde des Hansmannhauses unter der Leitung von Gerd Smarra

H. Lore Duwe-Scherwat und Wolf Gericke sind Mitglieder des Pina Bausch Alten-Ensembles. Wilhelm von Hoegen spielte zuletzt in einer Inszenierung mit Demenz-Kranken am Schlosstheater Moers.

Inszenierung und Szenerie: Rolf Dennemann
Regieassistenz: Lambrini Rapti
Kostüme: Katja Struck
Dokumentation: Frank Mählen,Petra Steierl
Hospitanten: Isabel und Verena Wienandt, Sarah Zastrau

Gefördert vom Kulturbüro Stadt Dortmund, Kunststiftung NRW, Land NRW und dem Fonds Darstellende Künste in Zusammenarbeit mit dem Theater im Depot. Wir bedanken uns bei der Firma Bloedorn-Container, der MGG und dem THW.