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Refugium



Zu den „Streunenden Hunden im Erdbeerfeld" gehört auch ein Mädchen, das seinen toten Hund auf der Brache begräbt, Foto: Dennemann

„Streunende Hunde" im Erdbeerfeld

Premiere von „Refugium l" in Derne

Verwahrlost wie das Brachgelände an der Zeche Gneisenau in Derne sind die Jugendlichen, die dort wie ein Rudel streunender Hunde hausen. Sie stecken ihr Refugium ab, kämpfen in Banden gegeneinander, töten, trauern und sind einsam in dieser Einöde. Regisseur Rolf Dennemann gibt sie in seinem Stück „Streunende Hunde im Erdbeerfeld" eine Stunde lang zur Beobachtung frei, Die Zuschauer sitzen auf Banken unter Pferdedecken in einem weißen Zelt, schauen auf die Einöde und das, was darin passiert. - Lauernd, so wie sich auch die Jugendlichen selbst beobachten. Gesprochen wird nichts. Dennemanns Produktion mit „artscenico" hat die Ästhetik eines Besuchs im Straßencafe, bei dem man sitzt und Menschen beobachtet. Nur dass auf diesem Brachgelände alle Aktionen inszeniert sind. Zwei blaue Ledersofas stehen auf dem Schotter. Klappstühle, Wäsche, die Jugendliche bringen und durchwühlen - warum, weiß der Himmel. Malerische, filmische Bilder lässt Dennemann mit den knapp 20 jungen Darstellern entstehen. Zwischen Haldenhügeln stehen sie in wehenden Kleidern und krönen ihren König des irrealen Reviers, auf dem Schotter bauen sie Buden, suchen Halt bei ihrem Kuscheltier oder begraben ihren toten Hund. Einen voyeuristischen und warnenden Blick auf eine Weit, die es in dieser Form hoffentlich nie geben wird und in die diese Jugendlichen wohl auch keinen gerne hineinschauen lassen würden, gewährt Dennemann den Zuschauern. Zu einem spannenden Bild einer benachteiligten Gesellschaft wird sich das Mosaiksteinchen der „Streunenden Hunde" in einem Zyklus zusammensetzen. Die Jugendlichen im Erdbeerfeld sind der erste Abend von Rolf Dennemanns Zyklus „Refugium", in denen er Menschen im Abseits aus drei Generationen beobachtet. Am 12. Oktober folgt „Schweißausbruch", ein Stück über ein Paar, im Theater im Depot und im Herbst „Strawberry Fields forever", eine Beobachtung von einsamen alten Menschen. • JG

Ruhr Nachrichten 3.5.2006



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