Kreative Überdosis

“Sanctuary” in Lodz (Polen) war ein aufregendes Erlebnis, eine kreative Mischung aus „wirklichem Leben“ und künstlerischen Interventionen. Unser Partner, die Academy for Human Economics und das the Patio Art Center, haben mit Künstlern aus ganz Polen eine Ausstellung vorbereitet und durchgeführt. Zusammen mit Tanzstudenten wurden Try-outs, Proben und letztlich Performances entwickelt.
Die Premiere I im Patio Art Center bestand aus Ausstellung und Performance in einem einmaligen Wechselspiel, synergetisch und inspirierend, für Künstler und Publikum gleichermaßen.

Wir entwickelten einen Parcours über das Gelände unter Einbeziehung der Ausstellungen und Gebäude. „Kleine Heiligtümer“, ob Ort, Kunstwerk oder innere Einkehr. Lore Duwe zeigt als „bewegende Installation“ einen alten Menschen in der Natur, vom Winde bewegt, aber dennoch stationär, genau und nur an diesem Ort, diesem Stückchen Natur, umgeben von Wohn- und Arbeitsraum.
Margarita Nagel nimmt ein Motiv auf, das bereits an allen Orten eine Rolle spielte: Ein Baum als Ort für Rituale, ein Hügel als „erhöhter Ort“, leicht zu erklimmen, leicht wieder zu verlassen. Beide verschwinden, lassen den Ort zurück, nur die Erinnerung an eine temporäre Erscheinung bleibt dem Betrachter.
Eine Wand, aus der tote Elektroleitungen hängen, grau und rissig, hier findet Photini Meletiadis den Ort ihrer tänzerischen Auseinandersetzung mit Identität und Tradition. „Verloren in Tradition“ heißt das Stück, das musikalisch durch Traditionen und Musikstile hin und her-rauscht. Ihre Kleidung: Ein Karnevalskostüm. Ihre Herkunft: Griechenland. Ihr Tanz: zerrissene Rituale, intensives Zweifeln.

Die Ausstellung wird eröffnet. Das Publikum wird mit Installationen, mit Bildern und den lebenden Ausstellungstücken konfrontiert, den Tänzerinnen. 56 Minuten Ausstellung und Tanzperformance. Eine Messe. Schutzraum und Heiligtum. Natalie Kielan bewegt sich in abgestecktem Raum, in Blindbögen, scheinbarer Schutz, aber keine Öffnung zum hinein oder hinaus. Dann liegt sie da wie desorientiertes Insekt. Rieke Steierls Refugium ist eine Ecke, ein schmaler Raum, in dem Bilder, Blumen umkränzt, Collagen von Orten zeigen, kleinformatig. Ab und an bricht sie aus dieser isolierten Räumlichkeit aus, um den anderen zu begegnen, für bestimmte Zeit. Photini traut sich kaum weg von ihrem Plätzchen. Sie braucht die Festigkeit der Wand, um sich dem Raum zu stellen. Dann bricht sie hinaus in unkontrollierbaren Tanzwirbeln. Margaritas Raum ist das Zentrum, die Säulen im Raum geben ihr Halt, sie strebt von einer zur anderen, bricht aus, umarmt sie, fällt, springt, bis sie auf einem kleinen See dahin gleitet. Lore führt Paare in einen Raum, ihrem Ort, in dem sie selbst als Reproduktion präsent ist.
Die Tänzer verlassen den Raum. Ihre Identität liegt verborgen unter Hasenmasken, sehen aus wie Kreaturen aus einer anderen Welt.
Im Hof verlässt Anna Glowacka ihren Rückzugsort. Von einer Leiter, die zum Dach führt.  Sie wagt einen Blick in die Realität, läuft ein paar Meter unsicher in Richtung einer Sehnsucht. Sie trifft nur scheinbar auf einen jungen Mann in einem Tunnel, geht an ihm vorbei wie in Trance, verschwindet.
Damian Gilewski findet seinen Rückzugsort in dem Tunnel, einer Röhre ohne Sonnenlicht. Eine Bank ist sein Refugium. Er versucht, sich in dieser immer währenden Situation einzurichten.
Malwina Czyżewska ist der Farbe Pink verfallen. Die Farbe bestimmt ihr Leben. Sie pendelt wzischen Freude und Verzweiflung.
Zahlreiche verschlossene Türen. Anna Bajer versucht, sie zu öffnen, hinein zugelangen, an einen sicheren Ort.  Immer wieder. Überall. Ihre Versuche sind vergeblich. “Was ist hinter Tür” bleibt ein Geheimnis.
Lore Duwe hat ihren “heiligen Ort” mitten in einer Halle gefunden. Vor sich, ein verdorrtes STück Beet, eine Blume, die nicht mehr blüht, ein letztes Stück Natur, gerettet. Ein Stuhl, sonst nichts sonst. Ihre Bewegungen wirken wie tonlose Inkarnation. Die Hasen warten, die Illusion beendend. Alle verschwinden in dunklen Gängen.
Friday – Tag der spontanen Entscheidungen
Vor der Villa Henryk Grohmann gibt es ein Picknick im Regen. Anstelle von „stillen Momenten an stillen Orten“ in zwei wunderbaren Räumen, zeigt Margarita eine Abfolge von Soli zu ausgesuchten Musikstücken. Premierenvorpremiere im Versuch. Lore singt deutsche Lieder. Das Publikum ist verstört und begeistert.
Der Garten, Heiligtumsfolie für Rieke, Photini, Lore und Anna: Dachreinigung, Baumklettern, Rabenverzückung und Tischbesprechung.
Tag der offenen Ateliers, der Kunsthalle ad-hoc. 10. Julibäumsjahr. Underground-Kunst. is opened and the dancers are up on their tricks in the atrium, rocking the place, leavong it behind as it was before but filled with new images some will not forget, even the dogs.

 

Erstellt am 06.07.2011 von Rolf Dennemann
Kategorie(n): Polen | Schlagwort(e):

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