Peripheria – Heimat surreal

Heimat surreal

Das Projekt „Peripheria“ beschäftigt sich mit einem Phänomen, das in ganz Europa zu beobachten ist.

Zwischen-Räume als kulturpolitische Grundkonstellation: in den meisten Städten und Ortschaften existieren Randgebiete, die in ihrer Nutzung nicht mehr oder noch nicht definiert, aber schon in Besitz genommen sind (edges of the cities). Zwischen verfallenen, aufgegebenen Gebäuden und Brachgeländen  sammeln sich die Bruchstücke einer Stadtgeschichte. Randgebiete (sei es in Städten, sei es im ländlichen Raum) werden im Zuge einer zunehmenden Gentrifizierung und Urbanisierung immer  mehr  von der Entwicklung abgekoppelt und zu „Un-Orten“, bevor sie neu bebaut oder gänzlich aufgegeben werden. Doch sind sie auch belebt oder werden sie genutzt?

Wie kann man sich eine Wiederbelebung beispielweise jenseits  glatt polierter, uniformierter Einkaufszentren vorstellen? Welcher Zivilisationsmüll wurde zurückgelassen und bietet nun als Rohstoff Möglichkeiten für neue Biotope?  Der Umgang mit noch nicht nutzbaren, „nützlichen“  Flächen wird in Korrelation zu scheinbar unnützen Personengruppen gesetzt: verarmte, isolierte, alte, junge , wurzellose Menschen und ihr Schicksal, verbunden mit ihrer Landschaft, werden zum Gegenstand einer künstlerischen Aussage.

Um diese Transformationen künstlerisch aufzunehmen und auszuwerten, begibt sich artscenico an die Ränder der Gesellschaft. Denn mehr als in den Zentren wird hier deutlich, welche Hinterlassenschaften die Menschen zurücklassen, was sie suchen, wovon sie sich trennen. Bruchstücke einer Stadt finden sich an diesen Orten.

In einer global ähnlichen Entwicklung werden verschiedene, von der lokalen Situation geprägte Verhaltensmuster von Menschen künstlerisch aufgegriffen, kommentiert und zu einem surrealen Abbild europäischer Entwicklungsgeschichte geformt. Was geschieht, wenn man sie mit aktuellen künstlerischen Erscheinungsformen konfrontiert? Sie nehmen ihre Umgebung, die verlassenen, quasi unsichtbaren Orte mit  neuen Augen wahr. Wenn sie die Gegenden durchstreifen und sich zu neuen Gruppen und Allianzen zusammenfinden. Wenn sie als Suchende sich zu neuen Bewegungen verbinden und das, was um sie herum geschieht, im Verbindung zu ihren Traditionen und Ritualen, ihrem Alltag  setzen und damit neue  Rituale erschaffen.

Erstellt am 11.10.2012 von Rolf Dennemann
Kategorie(n): Aktuelles, Heimat surreal | Schlagwort(e): , ,

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